Mein Pamphlet über: Die GS.

(Lesedauer: 2 min.)

Spitzzüngig und augenzwinkernd verfasst. Daher nicht ganz ernst zu nehmen, wenngleich auch nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Die GS: Sozusagen das SUV unter den Motorrädern. Ein überdimensionierter Alleskönner.

Beide, GS wie SUV, werden aus ähnlichen Gründen gekauft: man sieht in der Riesenfuhre die eierlegende Wollmilchsau, sie bietet Komfort und Platz für Passagier plus Gepäck, man sitzt hoch und bequem, hat einen guten Überblick, was dem Fahrer subjektiv Sicherheit und Erhabenheit vermittelt. Üppige Motorisierung erzeugt ein Gefühl von Stärke und verleiht dem opulenten Luxusdampfer halbwegs sportive Fahrleistungen.

Nicht zuletzt fährt stets ein Flair staubiger Verwegenheit mit, im Wissen dass man nicht zwingend Asphalt unter den Rädern bräuchte, sondern auch auf holprigen Schotterstraßen fahren könnte. Was die breite Masse GS-Fahrer in der Realität aber genauso selten tut wie der gemeine SUV-Fahrer. Die unbefestigte Zufahrt zur Frühstückspension in der toskanischen Urlaubsprovinz muss reichen als Offroadabenteuer. (Ausnahmen bestätigen, wie immer, natürlich auch hier die Regel.)

Die GS ist zweifelsohne ein hoch entwickeltes und exzellent konstruiertes Motorrad. Technologisch führend, jedoch ästhetisch fragwürdig. Mal ehrlich, was für’s Auge ist sie wirklich nicht.

An Perfektion grenzende Technik mit der ein guter Fahrer vielen Supersportlern um die Ohren fahren könnte. Ein äußerst seltenes Vergnügen dabei zusehen zu dürfen, welch Potential tatsächlich in diesen Wunderwerken der bajuwarischen Zweirad-Ingenieurskunst stecken würde – Doch Könner auf GS erlebt man auf den einschlägigen Motorradrouten landein-landaus bedauerlicherweise nur wenige. (Ich darf mich glücklich schätzen, solche Exemplare in meinem weiteren Bekanntenkreis zu haben. Daher weiß ich wohl um die Qualitäten dieses Motorrads, wenn es von versierter Hand pilotiert wird.)

Die meisten GS werden leider jedoch wenig artgerecht bewegt, sondern verstopfen in zunehmender Häufigkeit wegen nur mittelmäßig befähigter Fahrer die Straßen und verderben einem gerne mal die ein oder andere flotte Kurvenkombination. Ähnlich wie SUVs. Geradeaus schiebt der drehmomentstarke, großvolumige Motor die massige Fuhre gern mal viel zu schnell voran um halbwegs im Rahmen der StVO überholt werden zu können, vor der Kurve wird der Dampfer jedoch gnadenlos geankert.

Auf eine GS kannst du halt jeden setzen, der weiß wie er den Reißverschluss seiner Hightech-Multifunktions-Warnweste schließt – die Kuh bringt dank ausgefeilter Fahrwerks- und Bremstechnik, gepaart mit allen erdenklichen elektronischen Helfern auch Wenigkönner und Kurvenparanoiker von A nach B ohne dass Schlimmeres passiert. Eine hervorragende Maschine, die dem Fahrerhirn im Schuberth-Klapphelm in beinah allen Lebenslagen viel Denkarbeit abnimmt. Da musst nicht großartig Motorradfahren können.

Und genau das ist, so glaube ich, der Grund wieso man von Jahr zu Jahr immer mehr von den Dingern auf den Straßen sieht: Motorradfahren auch für Nichtmotorradfahrer, denen sogar der typische Biker-Gruß „DlzG“ fremd zu sein scheint.

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