Punk ist tot

(Lesedauer: 3 min.)

Traurig aber wahr. Punk ist tot, aber sowas von.

Getötet haben ihn ausgerechnet Bands wie z.B. „Die Ärzte“, „Slime“, „Broilers“ und „Die Toten Hosen“ mit der Impfaufforderung unter dem Hashtag #impfenschützt.

Punk stand mal für „fight the system“, was ist daraus nur geworden? Musiker jenes Genres das mit der Anarchie liebäugelte und wie kein anderes für Regierungskritik stand, mutieren nun zu willfährigen Zahnrädchen jenes Establishments, das der Punk einst bekämpfen wollte. Sind Punkrocker die sich vor den Kampagnenkarren der Regierung spannen lassen, überhaupt noch Punks?

Dabei kann mir keiner erzählen, dass es ihnen um die Volksgesundheit geht bei diesem Impfaufruf. Sie und ihre Crews wollen und müssen wieder Geld verdienen: „Los Leute, impft euch damit wir unsere Konzerttickets wieder in großen Massen verkaufen können!“

Dieser Wunsch ist äußerst legitim und sehr berechtigt! Ich habe vollstes Verständnis für die missliche Lage der Kulturbranche. Nur sollten sie es halt ehrlich sagen um was es ihnen geht, anstatt den „wichtigen Schritt für die Gesellschaft“ vorzuheucheln.

Dennoch, eine Impfung nicht der Gesundheit wegen zu empfehlen, sondern aus wirtschaftlichen Erwägungen, zeugt von einer fatalen Gesinnung. Medizinische Maßnahmen, die ja auch Nebenwirkungsrisiken bergen können, aus nicht-medizinischen Gründen zu propagieren, das halte ich für so dermaßen falsch, dass ich kaum Worte dafür finde.

Es stimmt mich traurig, dass Punkbands sich von der Regierung dafür instrumentalisieren lassen.

Man darf die Covid-Impfung aus dem Gesichtspunkt des Individualschutzes meinetwegen gern als Errungenschaft betrachten. Und wer diesen Schutz für sich als Person in Anspruch nehmen mag, soll das bitte tun. Ich respektiere und achte diese Entscheidung, werde niemanden vom Gegenteil zu überzeugen versuchen.

Genauso respektiere und achte ich die Entscheidung derer, die auf den Impfschutz verzichten wollen. Auch jenen will ich ihren Entschluss nicht ausreden oder probieren sie umzustimmen.

Schade, dass nun Punk- und Rockmusiker diesen (anarchischen) Individualismus nicht mehr respektieren und „die Herde zusammentreiben“ möchten in die Impfzentren.

Ad absurdum führt diese Kampagne der Musiker außerdem, dass sie ja auf den Gemeinschaftssinn abzielt. Also die Impfung propagiert wird zum Schutze der Gesellschaft.

Zum Thema Herdenschutz der Covid-Impfung ist da der #Faktenfuchs des BR vom 27.08.2021 unbedingt lesenswert, der am Ende zu diesem Fazit kommt:

Die Herdenimmunität gegen den SARS-CoV-2-Erreger wird in Deutschland und dem Rest der Welt nach momentanem Stand kaum zu erreichen sein. Die bisherigen Impfstoffe wirken gut gegen einen schweren Krankheitsverlauf, aber schlechter gegen die Ansteckung. (…) Das Virus kann sich unter diesen Umständen nicht „totlaufen“.

(Hier geht’s zum ganzen Beitrag: https://www.br.de/nachrichten/wissen/herdenimmunitaet-ist-kaum-zu-erreichen,ShCIzZT)

Die Diskussion um indirekten Impfzwang oder gar eine konkrete Impfpflicht zum Schutze der Allgemeinheit ist damit doch endgültig hinfällig. Mit den zitierten Experten-Aussagen dürfte dem Solidarargument die Kraft genommen sein. Wer immer noch behauptet, die Impfung sei eine moralische, gesellschaftliche Pflicht als Akt der Solidarität weil man angeblich sein Umfeld mitschütze, ignoriert offenbar die Faktenlage.

Jedem muss bitte klar sein, dass die Impfung insbesondere im Hinblick auf die Delta-Variante in der Hauptsache reiner Individualschutz ist, mit nur sehr geringer Schutzfunktion für die Gesellschaft.

Sogar Christian Drosten geht in einem aktuellen dpa-Interview vom 18.08.2021 davon aus, dass die Impfung aufgrund der Delta-Variante keine Frage des Gemeinschaftsschutzes sei. Es gehe vielmehr darum, sich selbst zu schützen.

Darum muss es erst recht eine freie, individuelle Impfentscheidung jedes Einzelnen bleiben, die zu keinerlei sozialen Spaltungen oder sonstigen Konsequenzen bezüglich gesellschaftlicher Teilhabe führen darf.

Vor allem jene Bevölkerungsgruppen die nach allem was die Wissenschaft bisher weiß und aller statistischen Wahrscheinlichkeit nach ohnehin kaum ein Risiko eines schweren Covid-Verlaufs zu befürchten haben, müssen den Nutzen der Impfung sorgfältig gegen etwaige Nebenwirkungsrisiken abwägen dürfen, ohne bei daraus folgendem Entscheid gegen das Impfen vom Alltagsleben ausgeschlossen zu werden. Der Geimpfte ist geschützt und braucht keine Angst vor dem Ungeimpften zu haben, welcher sich bewusst gegen den Impfschutz für seine Person entschieden hat.

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