Der PCR-Test: eine Probe für unsere Demokratie?

(Lesedauer: 4 min.)

Man weiß, der PCR-Test ist nicht hundertprozent sicher, so wie jeder andere Test halt auch. Er habe zwar eine Spezifität von annähernd 100%, so heißt es. Genaue Angaben zur Falsch-Positiv-Rate, dazu halten sich alle Verantwortlichen aber bedeckt. Weder RKI, noch Drosten, noch sonstwer gibt dazu konkrete Daten heraus.

Sprechen wir dem Test eine Spezifität von 99% zu, würde das bedeuteten er liefert per se, aus seiner biochemischen Funktionsweise heraus, unter idealen Laborbedingungen schon eine Falsch-Positiv-Rate von 1%, wohlgemerkt bei korrekter Ausführung und Bewertung. Nun kommen dazu aber noch falsch-positive Ergebnisse aufgrund von Laborfehlern und falscher Anwendung des Tests. Wie in diesem Augsburger Beispielfall (Quelle br.de) mit einer Falsch-Positiv-Rate von fast 97%. Und das ist, wenn man dem Artikel glauben darf, wohl kein Einzelfall.

Was man in diesem Zusammenhang auch unbedingt berücksichtigen muss, ist wie sehr sich falsch-positive Tests verzerrend auf die Statistik auswirken, insbesondere bei anlasslosen Massen-Tests ohne konkreten Infektionsverdacht: „Ist sie (die Spezifität, Anm. d. Verf.) zu niedrig, wächst die Gefahr, dass die falsch positiven Ergebnisse die Statistik grob verzerren. Die Zahl der falsch positiv Getesteten kann dann sogar höher als die der tatsächlich Infizierten liegen.“ – „Wenn Personen ohne begründeten Verdacht getestet würden, also eine niedrige Infektionswahrscheinlichkeit besteht, würde eine erhebliche Verfälschung der Ergebnisse drohen.“ (Quelle: rnd.de) Genau das passiert aber doch gerade: man sieht laufend Fotos von langen Warteschlangen vor den Testzentren. Völlig gesunde Menschen stellen sich massenweise an um sich testen zu lassen, und in den Laboren passieren wegen Personal- und Materialienmangels Fehler, die die Spezifität des Tests verschlechtern. Daraus resultiert eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine statistische Verzerrung.

Ja, und basierend darauf sperren wir das Land zu, treiben Menschen in die soziale Isolation mit allen psychischen Folgen und ruinieren darüber hinaus ganze Wirtschaftszweige mit allen finanziellen und existenziellen Folgen.

Wann fangen wir an, endlich mal auf aussagekräftige Zahlen zu schauen, um solch einschneidende Maßnahmen zu veranlassen?

Auf diejenigen, die nicht nur symptomlos einen Virus in sich tragen wie Herpes, sondern die tatsächlich an Covid-19 erkranken, die also klinische Symptome aufweisen. Auf diejenigen die diese nicht zuhause im Bett wie eine Erkältung auskurieren können, sondern einen Krankheitsverlauf entwickeln, der einer stationären (intensiv-)medizinischen Betreuung bedarf. Und auf die Todesfälle, die nachweislich AN (und nicht nur MIT) diesem Virus verstorben sind.

Stattdessen wird auf undemokratische Weise per Rechtsverordnungen an Parlamenten vorbei regiert und verfügt. Und das auf Basis positiver Testergebnisse, denen augenscheinlich aufgrund schlampiger Arbeitsweise immer weniger zu trauen ist. Und die selbst bei real-positivem Ergebnis kaum etwas über Erkrankung und Infektiosität des Getesten aussagen und erst recht nichts über die Gefährlichkeit des Virus SARS-CoV-2.

Und nein, ich leugne nicht dass es Corona gibt.

Ja, ich glaube an die Existenz dieser Krankheit. Und ebenfalls ja, ich glaube dass sie schwere Verläufe bis hin zum Tod nehmen kann. Alles nicht das Thema. Woran ich aber nicht glaube, ist dass das Vorgehen noch angemessen ist. Mir geht es um Verhältnismäßigkeit und Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen. Da bin ich inzwischen völlig vom Gauben abgefallen. Es ist ist nur noch zum Kopfschütteln, was hier passiert.

Man fragt sich, wieso von den Regierenden eigentlich niemand mal auf Hendrik Streeck eingeht, der selbiges auch anmahnt:

„Die Infektionszahlen dürften nicht mehr im Haupt-Fokus stehen. Man müsse auch den echten Krankheitsausbruch ins Auge fassen, wie die Auslastung in der stationären Behandlung und der Anteil der belegten Intensivbetten.“ – „Streeck plädiert für ein Ende des Krisen- und Panikmodus, der Umgang mit dem Virus müsse in ein normales Risikohandling wie bei vielen anderen Risiken des Lebens auch übergehen“ – „Man solle sich vor Sorglosigkeit hüten, aber mit dem Risiko intelligent umzugehen lernen. (…) Wir können nicht auf einen Pauseknopf des Lebens drücken und glauben, das Virus sei dann vorbei.“

(Quelle: web.de)

Wir müssen uns damit arrangieren, aber doch bitte nicht in einem permanenten Hoch- und Runterfahren des öffentlichen Lebens. Wir können doch nicht auf Dauer von einer Lockdown-Welle zur nächsten schwimmen.

Da ist ein Fachmann, der zu weniger Gefahrendenken aufruft, weniger Angstmacherei fordert, dafür mehr nüchternen Umgang mit der Sache. Der weg will von der Panikmache, hin zu einer neuen Routine im Umgang mit einem Virus, den wir sowieso nicht wieder loswerden. Aber er wird nicht gehört. Der Demokratieforscher Wolfgang Merkel nennt das „Governance by Fear, Regieren durch Angst. (…) Deshalb ist den Regierungen auch nicht der Virologe Hendrik Streeck, der eher für moderate Eingriffe ist, die wissenschaftliche Referenz, sondern der pessimistischere Christian Drosten. Mit dessen Sichtweise lassen sich harte Eingriffe viel besser begründen.“ (Quelle: zeit.de)

Aber, so der SPD-Bundestagsagbeordnete Florian Post:

„Es kann nicht angehen, dass (…) im Nachkriegsdeutschland der Bundesgesundheitsminister durch Exekutiv-Verordnung entscheidet, ohne dass ein gewähltes Parlament auch nur einmal darüber abstimmt. Darüber hinaus halte ich einen Gewöhnungseffekt an das Regieren per Verordnung für höchst gefährlich.“

(Quelle: cicero.de)

Doch was passiert stattdessen: der Bundestag lehnt Anträge der Opposition ab, die darauf zielen die Parlamentsrechte zu wahren und damit unsere etablierte Demokratie vor einer subtilen Erosion durch Rechtsverordnungen zu bewahren (Quelle: bundestag.de). Der Bundestag entmachtet sich selbst und lässt den vor Machthunger wie wild geworden scheinenden Ministern und Ministerpräsidenten freie Hand dabei, gemeinsam mit der Kanzlerin parlamentarische Vetospieler zu übergehen.

Man fragt sich wirklich, wo das Ganze noch hinführen wird.

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